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Living the Dream - 3 Monate Nordland-Roadtrip
Eine Elternzeitreise durch Schweden und Norwegen
April 2015 - Juli 2015



10. Teil - Bohuslän und Västergötland mit Göteborg (SE)

Heute zogen wir weiter. An der Rezeption wurden gerade frische Zimtschnecken gebacken, die in Schweden so populär sind. Wir kauften zwei Stück.

Das Quecksilber kletterte schon am Vormittag auf 19 Grad im Schatten und der Himmel blieb wolkenlos.

Gefallen hat es uns auf diesem Campingplatz richtig gut, obwohl ich das am Anfang nicht dachte. Es gab immer etwa zu tun. Die Männer forschten viel und lange im Wald nebenan. Der Platz selbst gab viel her, wie der Hang zum See hinunter mit seinem Sprungturm, die abgelegene Grillstelle, die Wäldchen neben der Hütte, der toller Rudersee, der Wasserfall an der norwegischen Grenze. Da braucht es gar keine großartigen Ausflugsziele.

Als wir vor 8 Tagen ankamen, steppte der Bär, aber zwei Tage später, als das Wochenende vorbei war, leerte sich der Platz schlagartig und es wurde ruhig. Sehr ruhig. Bis gestern. Neben uns bezog eine Motorradgruppe zwei Hütten und machten gestern Abend eine Grillparty, bei der komischerweise überhaupt kein Lärm entstand.

Mit schönen Erinnerungen an die letzten 7 Tage fuhren wir gegen Mittag weiter nach Süden in Richtung Smögen an der Westküste. Hierher wollte ich schon letztes Jahr, aber es war damals zu weit entfernt.

Gegen 14:00 Uhr kamen wir in Hunnebostrand an und fanden das ausgesucht Hunnebostrands Camping schnell. Ich fragte nach einer freien Hütte und wir bekamen eine direkt neben einem tollen Spielplatz (Foto rechts). Laut Besitzer waren wir die ersten Hüttengäste dieses Jahr, ab nächster Woche, zur Sommersonnenwende, wäre hier alles ausgebucht. Da hatten wir Glück. Für die Woche zur Sommersonnenwende hatte ich bereits Hütten auf zwei Plätzen vorreserviert, denn das ist für die Schweden das zweitgrößte Fest des Jahres, was exzessiv celebriert wird und daher viele Camps ausgebucht sind. Dieser Platz hier war zudem der günstigste, der für diese Gegend herging und trotzdem kostete die ca. 10 qm kleine spartanisch eingerichtete Hütte freche 500,00 SEK pro Nacht.

Ausgestattet mit zwei klapprigen und ungemütlichen Doppelstockbetten aus Metall, einem Plastikbalkontisch mit vier passenden Stühlen, die gleich auf der sonnigen Veranda landeten, zwei Kochplatten und ein schimmeliger Kühlschrank. Dafür ist der Platz umso schöner, geräumig, mit tollem Spielplatz und ein Wanderweg über 1,5 Kilometer drumherum. Die Regenduschen sind zwar gratis, nur blöderweise hatte die lange Fensterfront im Duschraum keine Scheiben, sondern war nach außen hin offen. Musik begleitete uns beim Duschen, aber gefroren haben wir am Ende auch nicht sehr.

Außer einkaufen fahren unternahmen wir heute nichts mehr und blieben hier. Es sind noch drei Familien angekommen und so versammelten sich alle Kinder inkl. unserem erstmal im Sandkasten. Wir kletterten zweimal den Felsen nebenan nach oben, liefen diese bis zum Ende und entdeckten so ein paar Wanderwege. Glücklicherweise konnten wir hinter dem Platz über die Wiese zurücklaufen und mussten den steilen Kletterhang nicht wieder hinunter.

Am nächsten Tag blieb leider die Sonne hinter Wolken versteckt und die kurzen Sachen mussten gegen lange getauscht werden. Nach dem späten Frühstück auf der Veranda bereitete ich Proviant für unterwegs vor. Heute sollte es ins nur 11 Kilomter entfernte Smögen gehen.

Auf der anderen Seite der Smögenbrücke liegt der Ort auf einer Insel, wir sahen zuerst nur rote Dächer und die Schäreninseln. Nahe dem Zentrum suchten wir einen Parkplatz. Die Plätze, auf denen man 3 Stunden parken darf, sind kostenpflichtig, die für 2 Stunden kostenlos und mit Parkscheibe. 2 Stunden würden schon reichen, ansonsten würden wir umparken. War nicht schwer, denn diese Parkplätze gibt's in den Seitenstraßen zu genüge.

Zuerst liefen wir in die falsche Richtung und wieder zurück und fanden schließlich an einem kleinen Park ein paar niedliche Gässchen, die auf die Hafenpromenade führten. Nach einer süßen Stärkung vom Bäcker ging's dann auch zu eben dieser.

Hier versammeln sich die Reichen und Schönen und präsentieren ihre großen und kleinen Yachten (Foto rechts). Wir bummelten zweimal drüber, kauften Eis und ein Souvenir, stiegen Treppen nach oben und hatten eine nette Aussicht auf den Hafen. Danach parkten wir kurz das Auto um wegen abgelaufener Parkzeit und nach einem längeren Aufenthalt am Spielplatz gingen wir nochmal zum Hafen hinunter. Es war empfindlich kühl geworden und ich fragte mich, warum bei dem kalten Wetter die Reichen und Schönen kurze Hosen und Shirts trugen. Kurz gefasst, wenn man Smögen nicht gesehen hat, hat man nichts verpasst.

Auf dem Rückweg hielten wir an der Smögenbrücke an, denn die Aussicht war zu schön, um daran unfotografiert vorbeizufahren (Foto links).

Zurück im Camp kam eine deutsche Familie zu uns, um etwas zu fragen. Sie fuhren mit den Motorrädern durch Schweden, den 5-jährigen Sohn in der Beiwagenmaschine. Wie cool ist das für ein Kind! Anerkennung, dass der Junge die langen Fahrten problemlos mitmachte und die Eltern ihm diesen Trip zutrauten. Das Kindchen und der Junge freundeten sich auf dem Spielplatz irgendwie ziemlich schnell an und verbrachten den restlichen Abend bis 22:00 Uhr zusammen, während wir Eltern Reiseerfahrungen austauschten.

In der Nacht hatte es geregnet, aber nun haben die Wolken der Sonne wieder Platz gemacht. Nach dem Frühstück waren die zwei Jungs sofort wieder beschäftigt, während ich die Koffer packte und Basti sich mit diversen anderen Papas unterhielt. Er bekam einen Tipp für einen Nationalpark in Skåne, den wir natürlich dankend annahmen. So ging es auf diesem Platz an diesem Vormittag richtig familiär zu. Einfach eine schöne Atmosphäre. Schade, dass alle Familien heute gleichzeitig das Camp verließen.

Für uns ging's weiter nach Süden und ins Landesinnere. Wir fuhren auf die Autobahn über Udevalla zum Einkaufen und danach auf direktem Weg nach Alingsås, wo außerhalb der Stadt am See Mjörn unser nächstes Camp Lövekulle lag. Wir checkten bei einer unfreundlichen Dame ein und bekamen Hütte Nummer 3 (Foto rechts). Die gefiel uns auch ganz gut, das Doppelstockbett unten breit und oben schmal, aber sehr niedrig, selbst das Kindchen konnte im Bett nicht mal sitzen, denn er stieß mit dem Kopf oben an. Dementsprechend war es umständlich, ins Bett rein und rauszusteigen.

Ansonsten war die Hütte wie üblich ausgestattet, aber es gab keine Kochplatten, dafür Wasserkocher und Wasserkanister. Zum Kochen mussten wir die Gemeinschaftsküche benutzen. Draußen eine große Veranda mit Korbstühle und großem Glastisch. Wir bezogen die Veranda und aßen, während der Besitzer unpassender Weise eine kaputte Stufe erneuerte, was ziemlichen Krach machte. Unten am Wasser gibt es einen Sandstrand und einen Spielplatz mit Luftkissentrampolin, welches aber immer wieder defekt war, weil zu wenig Luft drin. Auf dem Hügelchen gibt es eine Grillstelle, die sich heute leider bei dem Wind nicht gelohnt hätte. Außerdem stehen an der Rezeption Tretautos zum Verleih und als Basti danach fragte, wiegelte die unfreundliche Dame blöd ab. Insgesamt wirkt der Platz eher so, als ob die Besitzer daran kein Interesse hätten und den Platz nur halbherzig pflegen. So richtig wohl fühlten wir uns hier nicht.

Am nächsten Morgen war ich zwei Stunden Wäsche und Mittagessen kochen beschäftigt, weil ich ständig hin und her laufen musste zwischen Küche, Wäsche und Hütte. Die Männer sägten in der Zwischenzeit Baumstämme für das abendliche Lagerfeuer klein, eine Säge durften sie sich gnädigerweise ausleihen (Foto links).

Außerdem probierte das Kindchen eines der Tretautos aus und konnte damit ohne Hilfe richtig gut fahren und lenken. Von wegen zu schwer, pah!

Am Nachmittag fuhren wir in das Nolhaga Naturreservat in Alingsås, wo es einen Wald mit Moorlandschaft, einen Streichelzoo und einen Spielplatz gibt. Eigentlich hätten wir dorthin laufen können, aber wir wollten noch was einkaufen, deshalb nahmen wir dann doch das Auto. Wir parken auf einem großen kostenlosen Parkplatz direkt am Parkeingang auf der Nolhaga allé und liefen los. Nicht weit gelaufen, eigentlich nur am Nolhaga Slott vorbei, tauchte rechts auf einer großen Wiese ein großer schöner Spielplatz auf. Hier tobte das Kindchen sich erstmal eine Weile aus, ich kaufe für jeden von uns ein Eis. Vorbei an einem großen Schafsgehege kamen wir zum Streichelzoo, der aber leider in diesem Moment seine Türen schloss. Schade.

Also zurück auf den Spielplatz, denn für den Wald war es zu spät geworden, wenn wir heute noch einkaufen und grillen wollten.

Am Camp setzten wir den Stockbrotteig auf und auf dem Hügel mit schönem Blick auf den See entfachte Basti das Feuer. Aber so richtig wollten die doch etwas feuchten Hölzer nicht brennen. Das Kindchen und ich durchstreiften zwischenzeitlich den dicht bewachsenen Hügel. Das Essen schmeckte mal wieder gut und wir freuten uns, mal wieder gegrillt zu haben (Foto links).

Hier auf dem Campingplatz war es irgendwie immer laut. Am nächsten Morgen gingen die Kreissäge und der Rasenmäher gleichzeitig. Nach einem Frühstück draußen machten wir uns alle zurecht, die Männer für einen Männerausflug und ich für einen alleinigen Stadtbummel durch Göteborg. Die Sonne strahlte, es sollten 19 Grad werden, perfekt.

Kurz nach 11:00 Uhr machte ich mich auf den Weg und nahm die Autobahn nach Göteborg. Weil ich nicht im Zentrum teuer parken wollte, wählte ich den kostenlosen P&R in Partille auf der Stationsvägen. Anhand eines Zuges konnte ich sehen, wo die Schienen sind, bog einmal ab und siehe da, den P&R ohne Navi gefunden. Der Zug nach Göteburg Central fährt alle 30 Minuten, vor 2 Minuten ist der letzte gerade abgefahren, ich musste also eine halbe Stunde warten, bis der nächste Zug um 12:10 Uhr kam. Dieser fuhr 10 Minuten bis Göteborg Centrum. Die Fahrkarte konnte ich nur im Zug beim Kontrolleur kaufen, der Preis richtete sich nach dem Alter des Fahrgastes. Die Kontrolleurin fragte mich also tatsächlich nach meinem Alter. Für meine 33 Jahren zahlte ich 39,00 SEK. Die Karte gilt für 3 Stunden und kann auch für den Bus im Stadtgebiet Göteborg benutzt werden.

Am Bahnhof angekommen, verschaffte ich mir einen kurzen Überblick, suchte und fand am Nordstaden eine Touristeninfo, nahm mir einen Stadtplan mit und spazierte los.

Hinter dem Nordstaden eröffnet sich gleich der Lilla Bommens Gästehafen mit der Oper im Hintergrund. Aber dort wollte ich nicht hin, sondern nahm zuerst Kurs zum Segelschiff Barken Viking, das als Hotel und Restaurant dient (Foto links). Natürlich warf ich auch einen Blick hinein.

Wieder draußen drehte ich die Runde über den Hafen und hatte von der anderen Seite, neben der Oper, nochmal eine schönen Blick auf das Segelschiff. Entlang dem Maritiman stehen noch verschiedene andere Schiffe und alte Segelboote, die besichtigt werden konnten.

Ich lief vorbei zum Stora-Hamn-Kanal und bog dort links ein. Dem Kanal folgte ich bis zum Zentrum, leider war es aufgrund Baustellen ziemlich laut.

Ich kaufte mir Wasser und Muffins, spazierte weiter durch eine Fußgängerzone und entdeckte ein Villervalla-Geschäft. Daran kam ich nicht vorbei, ohne für das Kindchen eine Badeshorts und ein T-Shirt gekauft zu haben.

Nach der Markhalle überquerte ich den Rosenl.-Kanalen hinüber zum Kungsparken und spazierte weiter in Richtung Haga-Viertel. Auch hier reihten sich die Geschäfte aneinander. Nach einer kleinen Stärkung nahm ich die unzähligen Stufen hinauf zur Skansen Kronan, ein Hügel mit dem Rest einer kleinen Festung. Davon steht nur noch ein Turm und eine Art Festungsmauer sowie ein paar Kanonen. Von hier oben hatte ich eine schöne Aussicht auf die Stadt, auch wenn ich den Hafen nicht sehen konnte (Foto rechts).

Ich nahm einen anderen Weg nach unten, schlängelte mich wieder durch das Haga-Viertel, über den Kanal und die Fußgängerzone zurück zum Bahnhof. Dort angekommen war es bereits 16:00 Uhr. Für mich reichten die 3 1/2 Stunden Stadtbummel, meine Füße schmerzten ein bisschen, ich hatte genug gesehen, genug Stadtlärm um mich herum und wollte wieder zu meinen zwei Männern.

Von den Gleisen 1 und 2 fuhren Züge zurück, nach Lerum oder Alingsås. Der Zug auf Gleis 1 hätte nicht in Partille gehalten und der auf Gleis 2, der in 5 Minuten losfahren sollte, war defekt. Der nächste fuhr erst in 40 Minuten. Eine Bahnangestellte, um die sich eine Traube von Fahrgästen bildete, erklärte mir, dass ich den Bus nach Partille nehmen kann. Also stieg ich in den Bus Nr. 519 gegenüber von den Gleisen, der zwar nicht am Bahnhof in Partille hält, aber im Zentrum, 5 Minuten vom Bahnhof weg. Der Busfahrer sagte, ich soll mich einfach setzen, auch ohne Ticket. 30 Minuten später kam ich im Zentrum von Partille an, lief zum Bahnhof und fuhr zurück zum Camp.

Die Männer verweilten noch auf dem Spielplatz. Sie waren heute auch gut unterwegs, liefen vom Camp entlang des Ufers, vorbei am kleinen Hafen, machten ein Picknick auf dem Bootssteg und liefen auf eine kleine Mole mit Leuchtturm (Foto links). Weiter bis in den Nolhaga, wo wir gestern schon waren. Dort spazierten sie durch den Kongo, dem kleinen naturbelassenen Wald mit Moorlandschaft. Aber der Stadtlärm war trotzdem zu hören und so schien der Naturpark etwas bizarr. Dann ging's zum Streichelzoo, der ja gestern leider vor unserer Nase geschlossen hatte. Auf dem Spielplatz holte ich die beiden gegen 17:45 Uhr ab. So war's für uns alle schöner ereignisreicher Tag.

Es folgte ein Regentag. Am Nolhaga Park gibt es ein Schwimmbad, in das wir heute gehen wollten. Leider kamen wir erst 14:45 Uhr dort an und ausgerechnet heute hatte es nur bis 16:00 Uhr geöffnet, nur dienstags und donnerstags bis 19:00 Uhr. Aber heute war Mittwoch. Ausgerechnet. Also gingen wir zumindest für 1 1/2 Stunden noch rein. Mit umziehen vorher und nachher sowie duschen blieb uns gerade mal eine Stunde im Wasser. Natürlich musste das Kindchen auch was essen und auf die Toilette, also eine Dreiviertelstunde im Wasser. Dafür war's aber ganz nett.

Bevor wir das Bad verließen, warfen wir nochmal einen Blick rein und konnten beim Kinderschwimmkurs zusehen. Ich weiß nicht, ob es mich beängstigte oder beeindruckte, dass Kindergartenkinder vom 1-Meter-Turm sprangen und zwei Bahnen schwammen, gerade so, dass der halbe Kopf aus dem Wasser kuckte und das Kind nicht komplett unterging. Beeindruckend auch, das wirklich kleine Kinder oder zumindest Kinder im frühen Schulalter mit Saltos vorwärts und rückwärts vom 1-Meter-Brett und 3-Meter-Turm springen. Wir lasen, dass Kinder in der Grundschule bis zur 6. Klasse Maßnahmen für das Überleben lernen. Das bedeutet, zeitiges schwimmen lernen, nachdem die Kinder mit dem Wasser vertraut gemacht wurden. Dazu gehört das Verständnis, dass man im Wasser einfach untergeht, wenn man nicht schwimmen kann. Bei den vielen Seen in Schweden droht ja praktisch überall die Gefahr. Da ist es umso wichtiger, zeitig schwimmen zu können. Auch das sichere Verhalten auf Eis und Schnee im Winter wird geschult. Wie wird ein Notruf richtig abgesetzt? Wie benutzt man eine Schwimmweste? Wie verhält man sich im Notfall? Wie hilft man anderen in Notsituationen? Erste-Hilfe-Kurse. Da wird man auf das Leben vorbereitet. Das, was wirklich wichtig ist im Leben.

Wie auch immer, nach dem Schwimmbad fiel Basti ein, dass er zum Friseur gehen wollte. Wir durchfuhren kurz Alingsås City und fanden an einer Straßenecke einen von außen freundlich wirkenden Friseur und nach nur 10 Minuten warten, schnitt ihm ein Iraker die Haare.

Der Tag endete ruhig, die Sachen lagen bereit und den Platz würden wir nicht vermissen, wenn es morgen weitergeht.

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